FLUIDE III: WASSER – Hals um große Steine
Klingend tropft die Sprache aus den Mündern, führt stromaufwärts den stillgelegten Wasserturm hinauf. Oszillierend zwischen Zuviel und Zuwenig, Gefahr und Faszination lädt spitzwegerich zu einem musikalisch-bildnerischen Tauchgang.
Im Wasserturm Favoriten spürt das Kollektiv spitzwegerich dem dort einst gespeicherten Element nach und befasst sich mit dem Körper als Wasserspeicher ebenso wie mit dem „body of water“; dem „Gewässer“.
Der Text von Gundi Feyrer wird in der Komposition von Nicholas Morrish flüssig und mäandert in Überlagerungen und Verdichtungen durch den spiralförmig ansteigenden Turm; das Libretto schäumt und sprudelt in der akustisch prägnanten Architektur. Wasser wird in seine Aggregatzustände zerlegt und in Sprache, Musik, Bewegung und Bilder übersetzt.
Das Publikum wandert treppauf und begegnet dabei hängenden Objekten, Fadenmarionetten, tropfenden Klängen und Stimmen, die erst im Rundgang verortbar werden. Ein Werden aus dems cheinbaren, ursprünglichen Chaos.
“Wir versuchen uns im Unmöglichen: das Flüssige festzuhalten, Momente einzufrieren und Liquidem eine feste Form zu geben. Wir ordnen Körpersäften Themen zu, machen kleinste Partikel zu einer Welt und geben ihnen eine Bühne. Wir stülpen das Innere nach außen und gehen dabei vom Konkreten ins Abstrakte; vom Körper ins Verlassen desselben.” (spitzwegerich)
Mit „Fluide III: Wasser: Hals um große Steine“ vollendet spitzwegerich 2026 seine Trilogie des Liquiden: “Rotz, Blut und Wasser”.
DER WASSERTURM
1998/99 zur Wasserversorgung der stark wachsenden Metropole, insbesondere der beiden hochgelegenen Bezirke 10 und 12 errichtet, verlor der Wasserturm Favoriten durch die Inbetriebnahme der II. Wiener Hochquellwasserleitung schon ab 1910 seine eigentliche Funktion und wurde bis zur endgültigen Stilllegung 1969 nur noch in Ausnahmefällen in Betrieb genommen. Heute dient das Wahrzeichen des Bezirks künstlerischen Veranstaltungen zum Thema Wasser als spektakuläre Kulisse.
NULL
Credits
Konzept – spitzwegerich
Komposition – Nicholas Morrish
Text – Gundi Feyrer
Stückentwicklung – Flora Besenbäck, Melina Cerha-Marcher, Simon Dietersdorfer, Gundi Feyrer, Lisa Furtner, Sabrina Hager, Anna Hauf, Felix Huber, Birgit Kellner, Martina Rösler, Christian Schlechter, Martin Siemann, Emmy Steiner, Rebekah Wild
Performance – Simon Dietersdorfer, Lisa Furtner, Anna Hauf, Nicholas Morrish, Emmy Steiner, Rebekah Wild
Eine Produktion von spitzwegerich in Koproduktion mit Musiktheatertage Wien
Mit freundlicher Unterstützung


Bios
spitzwegerich ist ein Wiener Kollektiv für zeitgenössisches Figuren- und Objekttheater, das seine Arbeiten an den Schnittstellen zu Literatur, Musik, Choreografie und Performance entwickelt. 2013 von Birgit Kellner und Christian Schlechter gegründet, wurde das Leitungsteam um Felix Huber und Rebekah Wild erweitert.
In den Stückentwicklungen entsteht eine eigenständige Theatersprache, in der Materialien, abstrakte Körper, Text, Bewegung und Klang gleichwertig verhandelt werden. Die Projekte wachsen aus kollektiven, interdisziplinären Entwicklungsprozessen und langen Recherchen. Figuren und Objekte bedienen sich als eigenständige Performer besonderen Möglichkeiten der Verwandlung. Spitzwegerich verbindet formale Experimentierlust mit poetischer Präzision, Humor und Neugier auf neue Wahrnehmungsräume.
2022 wurde das Kollektiv mit dem Outstanding Artist Award für darstellende Kunst ausgezeichnet. 2025 war spitzwegerich mit “staub… a little mindblow*” für den Nestroy als beste OFF Produktion nominiert.
Gundi Feyrer
geb. in Heilbronn/Neckar, 1978-80 Akademie der Bildenden Künste München Bildhauerei, 1980-84 Kunsthochschule Hamburg “Freie Kunst” bei Franz-Erhardt Walther, Gerhard Rühm, Tomas Schmit (Fluxus). Seit 1980 Buchobjekte, zahlreiche Prosa/Poesie-Bände, Zeichnung, Zeichentrick + Experimentalfilme, Hörspiele, Radio-Features, Theaterstücke, Performances, Skulptur, Musik, Übersetzungen vom Englischen und Spanischen ins Deutsche.
Zuletzt: “Sätze, die Gedanken regnen”, 2024 und “Der Tempel des Nichts – Das Zaubern”, 2020, beide Ritter Verlag Klagenfurt sowie “Stimmige Irrtümer“, InterVallVerlag, Köln 2024; Ausstellung (Zeichnung/Installation/Film) „Die Welt hat kein Ziel – Ausgelassene Zeichen und Sätze“, Museum Inselspitze, Heilbronn/Neckar, Mai 2026.
Mehrere Auszeichnungen, zuletzt H.C.Artmann Preis von der Stadt Wien 2018, Writer in residence, Monticello/I 2026.
Website: www.gundifeyrer.com
Nicholas Morrish
Nicholas Morrish ist ein in Berlin lebender Komponist und elektronischer Musiker, der in Konzert-, Installations-, Multimedia- und Bühnenkontexten arbeitet. Seine solistische elektronische Praxis erforscht synthetische Darstellungen menschlicher, nichtmenschlicher und instrumentaler Körper als spekulative soziale Umgebungen. 2025 war sein Projekt Belly and Other Members bei Forecast 10 nominiert und wurde dort von Ata Ebtekar (Sote) betreut; 2026 ist er Artist-in-Residence am Elektronmusikstudion Stockholm.
Spielzeiten
20. September 16:00
20. September 19:30
23. September 19:30
24. September 19:30
25. September 19:30
26. September 16:00
26. September 19:30