Studio Dan, Kristin Norderval, Julian Crouch

The Sailmaker’s Wife

Eine Faust’sche Öko-Oper

Komponiert von Kristin Norderval für eine kammermusikalische Besetzung des Ensembles Studio Dan, ist THE SAILMAKER’S WIFE eine Musiktheater-Parabel über gegenwärtige Klima- und Wirtschaftskrisen, die die Menschheit mit dem faustischen Pakt verführen: 

Reichtum statt Leben.

Julian Crouch’s moderne Nacherzählung des japanischen Volksmärchens Tsuru no Ongaeshi (dt.: Der Kranich der stillen Hingabe) ist die Geschichte eines Jedermanns, dessen Reaktion auf moralische Dilemmata eine Zukunft heraufbeschwört, in die Menschen die Erde als selbstverständlich betrachten, ohne die Konsequenzen zu erkennen. 

Ivar Smedstads Videoaufnahmen norwegischer Ölbohrungen verorten das Drama in einer industriellen Kulisse, die überall auf der Welt sein könnte.

EVII – Expanded Vocal Improvising Instrument

Im Zentrum der Komposition steht ein neuartiges elektronisches Instrument –  EVII (Expanded Vocal Improvising Instrument). Es wurde von Kristin Norderval entwickelt, um die Stimme der Hauptfigur, gesteuert durch ihre Gestik,  in Echtzeit aufzunehmen und zu bearbeiten. Die Sopranistin extrahiert auf diese Weise Fragmente ihrer Stimme, improvisiert damit und verarbeitet sie in Echtzeit. Die so geschaffenen Samples verwebt sie Stück für Stück mit dem Werk, wie der verletzte Kranich in der Parabel ein magisches Tuch webt, das Reichtum bringt. Doch zu welchem Preis?



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Konzept, Komposition, Künstlerische Leitung – Kristin Norderval

Libretto – Julian Crouch

Regie – Theresa Jarczyk

Videographie – Ivar Smedstad

Licht – Kaja Lund

Darsteller:innen – Kaoko Amano, Steven Scheschareg, Andreas Jankowitsch Ensemble

Studio Dan – Clemens Salesny (Saxophon, Bassklarinette), Margit Schoberleitner (Schlagwerk), Raphael Meinhart (Schlagwerk, Stimme), Sophia Goidinger-Koch (Violine), Maiken Beer (Violoncello)

Eine Produktion von Kristin Norderval in Koproduktion mit Studio Dan und Musiktheatertage Wien und in Kooperation mit Das MuTh

 

Mit freundlicher Unterstützung

Kristin Norderval ist Komponistin und Sängerin und hat sich auf die Entwicklung neuer Werke für Gesang, interdisziplinäre Werke sowie Werke unter Einsatz interaktiver Technologie spezialisiert. Ihre Oper „The Trials of Patricia Isasa“ wurde 2016 im Theater Monument-National in Montreal uraufgeführt und gewann den Opus-Preis von Quebec in zwei Kategorien: beste Produktion in Montreal und beste zeitgenössische Musik. Nordervals Kompositionen sind bei BIS, Deep Listening, Everglade, Koch International, MSR Classics, Nendo Dango und Losen Records erschienen. Alex Ross vom New Yorker nahm ihre Solo-CD „Aural Histories“ in seine Liste der „Zehn bemerkenswerten Klassikaufnahmen des Jahres 2012“ auf. Kristin Norderval erhielt 2019 ein Discovery Grant im Rahmen des Programms „Opera Grants for Female Composers“ von Opera America. Im Jahr 2023 schloss Frau Norderval ihre Promotion in künstlerischer Forschung an der Osloer Nationalakademie der Künste, Akademie für Oper, ab, wo sie das interaktive System entwarf, das in der Inszenierung von „The Sailmaker’s Wife“ zum Einsatz kommen wird.

Julian Crouch ist vor allem als Bühnenbildner und Regisseur bekannt. Zu seinen bekanntesten Projekten in den USA zählen „Shockheaded Peter“ (Broadway) und „Satyagraha“ (Metropolitan Opera). Weitere Opern für die Met sind „Doctor Atomic“, „The Enchanted Island“ und „Die lustige Witwe“. Zu seinen Broadway-Produktionen gehören „Hedwig And The Angry Inch“, „Head Over Heels“, „The Addams Family“ und „Big Fish“. Mit der Erfahrung aus zahlreichen selbst konzipierten Shows für seine britische Theatergruppe Improbable Theatre wandte er sich 2017 dem Librettoschreiben zu und wurde als Stipendiat in das Komponisten-/Librettistenprogramm des American Lyric Theater aufgenommen. Er hat drei abendfüllende Opern mit dem American Lyric Theater und eine mit Opera America entwickelt. Seine Erfahrungen nach der Corona-Pandemie führten ihn zum Film und zur Animation. Die Animation von Du Yuns „A Cockroach’s Tarantella“ war eines der Ergebnisse, das von der NY Times für seine „meisterhafte Zusammengehörigkeit, Sensibilität und Lebensfreude“ gelobt wurde.

Studio Dan wurde 2005 als große Formation der JazzWerkstatt Wien gegründet. Nach und nach entwickelte sich die Gruppe zu einem flexiblen Instrumentalensemble und genreübergreifenden Kollektiv.

Studio Dan hat eine Vision, die über das Aufführen von Musik weit hinausgeht: Aus Überzeugung, dass künstlerische Arbeit ein Gewicht gegen rückwärtsgewandte, nationalistische und kapitalistische Mechanismen bildet, bezieht die Gruppe Position. Es werden Bildungsformate entwickelt, öffentliche Orte bespielt, anspruchsvolle Produktionen für junges Publikum umgesetzt und Netzwerke weit über die Kunstszene hinaus gespannt. Das besondere Interesse der Gruppe gilt künstlerischen Positionen, die bewusst entgegen aktuelle Kunst- und Musikströmungen eingenommen werden. Studio Dan arbeitet seit jeher in heterogener Zusammensetzung, sowohl was die künstlerische Herkunft der Protagonist:innen betrifft, wie auch alters- und geschlechterspezifisch.

Das Kollektiv vergibt seit über 15 Jahren Aufträge an Künstler:innen aus denkbar entgegengesetzten ästhetischen Feldern. Zu den Partner:innen zählen sowohl Vertreter:innen der jüngeren Generation wie Sonja Mutić, Oxana Omelchuk, Sam Gryllus, Juan Pablo Trad Hasbun, Christof Ressi, Thomas Wally (Komposition), Karolina Preuschl (Text), Eva-Maria Schaller (Tanz), Melanie Hollaus, Lukas Schöffel (Film), wie auch in den unterschiedlichsten Feldern renommierte Namen wie Anthony Coleman, Mark Fell, Vinko Globokar, Ingrid Laubrock, George Lewis, Wolfgang Mitterer, Julia Purgina, Jalalu-Kalvert Nelson, Elliott Sharp und Manos Tsangaris. 2024 hat das Ensemble Xizi Wang zu ihrer Ersten Ensembledirigentin ernannt.

Studio Dan konzertiert international an renommierten Häusern wie der Elbphilharmonie Hamburg, dem Roulette in New York, dem National Forum of Music in Wrocław, dem Cankarjev dom in Ljubljana und auf Festivals wie den Wiener Festwochen, Wien Modern, dem musikprotokoll im steirischen herbst und La Strada Graz.
Seit 2024 ist das Ensemble mit vier jährlichen Konzerten im Abonnementprogramms des Wiener MuTh vertreten. Die Formation war Stage Band des Wiener Porgy & Bess und ist dort weiterhin regelmäßig zu Gast. Abseits der klassischen Konzertbühne kam es zu zahlreichen Projekten im öffentlichen Raum und Musiktheaterproduktionen für junges Publikum, u.a. in Kooperation mit dem Dschungel Wien und dem TaO!, Graz.

Die Debüt-CD Creatures & other stuff wurde mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ (Bestenliste) ausgezeichnet; Planet Globokar war 2017 für den YAM Award nominiert; Studio Dans Ersteinspielung von George Lewis‘ As We May Feel wurde 2020 von der New York Times als einer der „25 Best Classical Music Tracks“ ausgezeichnet. Die 2024 veröffentlichte CD Braxton et al. ist für den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ in der Kategorie Grenzgänge nominiert. Unter dem Labelnamen records & other stuff werden CDs und andere Arbeiten des Kollektivs verkauft.

Kaoko Amano wurde in Tokio geboren und studierte zunächst in Ihrem Heimatland an der Tokio Gakugei Universität Gesang und Musikpädagogik. Sie absolvierte anschließend ein Aufbaustudium am Konservatorium in Wien, welches sie bei Julij Chomenko mit Auszeichnung abschloss.

Sie besuchte unter anderem Meisterkurse bei KS Heinz Zednik, Kurt Widmer sowie am Ernst Krenek Institut. Beim 8. Emmy Destinn Wettbewerb gewann sie den 2. Preis sowie einen Sonderpreis und stand auch bei verschiedenen Wettbewerben im Finale.

Bei unterschiedlichen Opernengagements übernahm sie verschiedene Partien: Cathrine (Bizets »Die Schöne von Perth«) und Esmeralda (Smetanas »Die verkaufte Braut« unter D.Bostock/Schloss Oper Hallwyl), Telli (Hadschibäjovs »Samt und Seide«, M.Schnack/Wiener Kammeroper).

Sie widmet sich intensiv zeitgenössischer Musik und wirkte bei zahlreichen Uraufführungen von Werken international bekannter Komponisten mit, wie z. B. im Rahmen des Festivals Wien Modern, der Salzburger Festspiele, der Wiener Festwochen, der Musiktheatertage Wien, des Festival Imago Dei, dem Carinthischen Sommer oder der Klangspuren Schwaz. Auftritte unter anderem im Wiener Musikverein, Wiener Konzerthaus, ORF Radiokulturhaus und im Schönberg Center. Zusammenarbeit mit der IGNM, der ÖGZM, Ensemble Phace, Ensemble Kontrapunkte, „ensemble xxi. jahrhundert“, Ensemble Reconsil, Schallfeld Ensemble.

Im Rahmen der „World New Music Days 2013“ wirkte Amano in Hauptrollen der Opern „Wärme” (T. Friebel/P. Pawlik) und „Bill” (T. Jelinek/J. Sanchez-Chiong) mit, weiter folgte „Feminin/Masculin“ (E. M. Binder/P. Liakakis, 2014 in Schauspielhaus Graz). Bei den „Opern der Zukunft 2018″ sang sie mit großem Erfolg Hauptrollen in „Konjiki Yasha“ (T. Yokokawa/C. Zauner) und „Mirada Antigua“ (J. Quislant/C. Zauner) in der Grazer Oper sowie in „Opera of Time“ (T. Jelinek/J. Sanchez-Chiong bei den Musiktheatertagen Wien 2019). Darüber hinaus war sie 2019 im Wiener Burgtheater in „Dies Irae – der Tag des Zorns“ (K. Voges/P. Walfisch) zu erleben. 2023-2025 war sie Gastdarstellerin am Volkstheater Wien in „Du Musst Dich Entscheiden!“ (K. Voges/J. Hartle). Derzeit ist sie als Gastdarstellerin am Scahuspiel Köln engagiert.

Sie trat zudem bei international bedeutenden Festivals für zeitgenössische Musik auf, unter anderem beim Ultraschall Festival Berlin, beim PAN Musikfestival in Seoul, bei Musica Electronica Nova in Wrocław, den Tonlagen Dresden und dem Novi Festival Zagreb.

Sie ist Mitglied von Ensemble Platypus und Black Page Orchestra.

 

Spielzeiten
17. September 19:30
Spielort
Das MuTh
Am Augartenspitz 1, 1020 Wien
Sprachen
Englisch
© Ronja-Elina Kappl & Ivar Smedstad